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Pressestimmen
und Rezensionen:
Süddeutsche Zeitung
02.08.2001
Wenn sich Traum und Wirklichkeit durchdringen
Drei Jugendliche
Zeitreisende auf den Spuren von Troja
Marian ist dreizehn, er hat Schliemanns Tagebuch gelesen und weiß
alles über den Trojanischen Krieg, wie ihn Homer in
der Ilias erzählt. Nun darf er mit seinem Archäologen-Vater für ein
Vierteljahr an einem internationalen Grabungs-Treffen am Hügel von
Hisarlik teilnehmen, wo Schliemann 1871 mit seinen Ausgrabungen begann und
auf den Schatz des Trojaner-Königs Priamos stieß. Auch ein
Archäozoologe gehört zum Forscherteam, und er hat ebenfalls seinen Sohn
mitgebracht. Aber der sechzehnjährige David langweilt sich, er wäre viel
lieber bei seinen Freunden zu Hause und wurde sich den gemeinsamen
Frühmännlichkeits-Ritualen hingeben. Den Umgang mit einem drei Jahre
Jüngeren findet er unter seiner Würde, doch sonst gibt es unter den etwa
70 Bewohnern des Camps keinen Jugendlichen.
Was im Lauf der von Matthias Raidt ebenso sachkundig wie phantasievoll
erzählten, von Christoph Haußner mit poetischer Exaktheit illustrierten
Geschichte mit David passiert, das soll sich auch am halbwüchsigen Leser
ereignen: seine langsame, aber sichere Verwandlung in einen
"Trojaner". Wetten, dass die Reise durch das Buch zum Ziel
führt:
Der Sog des Mythos Troja ist unwiderstehlich. Man muss ihn nur zu
vergegenwärtigen wissen, und das gelingt Raidt und Haußner glänzend mit
Hilfe einer Zeitreise zu einigen der wichtigsten Besiedlungsepochen des
von Geschichte getränkten, am Übergang von Europa nach Asien
herausragend gelegenen Hügels.
Das geheimnisvolle Mädchen Rüya, das die beiden Jungen zunächst durch,
das Gerippe eines in einem Kistengrab bestatteten zehnjährigen Kindes auf
sich aufmerksam macht, wandelt sich im Lauf der zweieinhalb Jahrtausende
zur jungen Frau, bleibt aber, wie Beatrice für Dante, die zuverlässige
Wegweiserin der Jungen durch ein ihnen auf weite Strecken unbekanntes,
immer wieder auch gefahrvolles Terrain. Denn es nie ganz harmlos, sich
ernsthaft auf Vergangenes einzulassen.
Vergegenwärtigung: Sie betrifft das Leben von Rüyas Familie in der
frühen Bronzezeit-Hütte (um 2500), die Kämpfe zwischen Trojanern und
Griechen, namentlich die zwischen Hektor und Achilles, den durch ein
furchtbares Erdbeben verursachten Untergang der blühenden Stadt (das
trojanische Pferd entpuppt sich als dichterische Umschreibung der
Katastrophe, nannte man doch den oft zornschnaubenden Meeresgott Poseidon
einfach das Pferd), schließlich das elegante römische Ilium, in das
gerade Kaiser Hadrian einzieht und in dem David um ein Haar dem grausamen
Kybele-Kult zum Opfer fällt.
Die drei Zeitreisenden absolvieren die Hauptstationen einer faszinierenden
Rezeptionsgeschichte, die Troja auch zur Nahtstelle zwischen Griechenland
und Rom gemacht hat. Wir sehen einen jungen Mann aus der brennenden, einst
so stolzen Stadt fliehen, einen gebrechlichen Alten, seinen Vater, auf den
Schultern, einen kleinen weinenden Buben an der Hand: Äneas und sein Sohn
Ascanius werden das römische Reich gründen.
Traum und Wirklichkeit durchdringen sich; Traum und Wirklichkeit lautet
auch der Untertitel der großen, Besuchermassen anziehenden, im März in
Stuttgart eröffneten Troja-Wanderausstellung (jetzt in Braunschweig, ab
November in Bonn). Das Buch steht in ihrem Zeichen. Aber es bietet mehr
als spannende Information, weil es gleichzeitig die Emotionen anspricht.
Der Leser erlebt, wie die beiden ungleichen Jungen Freundschaft
schließen. "Eure Fantasie und eure Freundschaft", erklärt
ihnen Rüya zum Abschied, "haben mir die Macht gegeben, dies alles
für euch Wirklichkeit werden zu lassen."
Zur Wirklichkeitskenntnis trägt freilich auch der vorzügliche, knappe,
doch überaus instruktiv gehaltene Anhang mit Erläuterungen,
Rekonstruktionen, Karten und Zeittafel bei. Dieser Sachteil steht der
Erzählung an Attraktivität nicht nach. (ab 12 Jahre) ALBERT VON
SCHIRNDING
Stuttgarter
Zeitung (16.03.2001)
Drei Jugendliche erleben eine Zeitreise durch die Geschichte der Stadt.
Wie Achill den Helden Hektor
durch den Sand schleift.
Ist es Zauberei oder ein Traum?
Vielleicht ist es ein Hitzschlag - hier im Archäologencamp Bademliköy.
Der 13-jährige Marian und der 16-jährige David wissen nicht wie ihnen
geschieht:
Eines Nachts werden sie von einem Mädchen namens Ruya in die längst
vergangenen Tage von Troia mitgenommen. Es beginnt eine Zeitreise durch
die Geschichte der Stadt, vom maritimen Troia bis in die römische Zeit.
In damals üblicher Kleidung spazieren die Jugendlichen durch das Dorf,
beobachten wie mit der Spinnwirtel gearbeitet wird, was es zu essen gibt,
und sie betreten den Palast, das Heiligtum Troias. Sie sehen zu, wie der
Schatz von Priamos geschmiedet wird, und gehen im damals noch nahe der
Stadtgrenze gelegenen Meer baden. Als sie von diesem ersten Besuch in
Troia zurückkehren, ist lediglich eine Minute Echtzeit vergangen.
Rüya, was auf Türkisch soviel wie Traum bedeutet, reist noch weitere
Male mit den beiden Jungen 4000 Jahre
in die Vergangenheit. Wenn die Schiffe aus Richtung des Sonnenuntergangs
ankommen, macht sich die Bevölkerung auf Kämpfe gefasst. Und schon hört
man Trommeln und Geschrei und findet sich inmitten des gefährlichen und
zerstörerischen Troianischen Krieges wieder. Dabei geht es nicht um
Vernunft, sondern um Siege. Und darum liefern sich die berühmten Helden
Achill und Hektor blutige Schlachten.
Troia, Willios, Tarusa, Vilusa und Illion, die prähistorische Stadt im
heutigen Nordwesten der Türkei hatte viele Namen. Unter römischer
Herrschaft, so entdecken die drei Abenteurer hautnah, war Illium eine
weiße Marmorstadt. Wenn Kaiser Hadrian mit seinem bunt geschmückten Zug
während einer Parade einzieht, gibt es allerhand zu bestaunen. Doch es
lauern Gefahren, nicht zuletzt von der sagenumwobenen Kybele-Sekte.
Das Jugendbuch vermischt moderne Forschungen mit der Historie der Stadt.
Wie junge Menschen für uralte Steine, verblichene Scherben und staubige
Reliquien interessieren? Der Roman und der angehängte Sachbuchteil
spannen einen Bogen zwischen Archäologie und Abenteuer. Es ist ein
Wandeln auf dem schmalen Grad zwischen Wahn und Wirklichkeit. Die farbigen
Illustrationen - von Christoph Haußner, der ebenso wie der Autor Matthias
Raidt am Ausgrabungsort mitarbeitete - zusammen mit der Geschichte
ermöglichen eine Entdeckungsreise, die zum Teil auch gruselig und
mitunter grausam ist. Im Sachteil gibt es gezeichnete Rekonstruktionen der
Stadt in den verschiedenen Epochen, ein Wörterbuch und eine Zeittafel,
Und dennoch: Obwohl das Buch viele Informationen rund um das berühmte
Troianische Pferd, den Dichter Homer und die Lebensweise der Bevölkerung
bietet, bleiben einige Geheimnisse offen. Denn die Geschichte, so lesen
wir, sei mit einem Luftballon zu vergleichen: Wenn er platzt, bleiben nur
Stücke übrig. Sie zusammenzusammeln ist Aufgabe der Archäologen - doch
den kompletten Ballon zusammenzusetzen ist unmöglich. (Simone
Richter)
ekz.bibliotheksservice
GmbH, Reutlingen (März 2001)
Haußner/Raidt: Rüya und der Traum von
Troia
Das Werk ist zweigeteilt: Zunächst wird die Geschichte von den Kindern
David und Marian erzählt, die ihre Eltern zu Ausgrabungsarbeitern nach
Hisarlik begleiten. Durch eine Zeitverschiebung gelangen sie in die Welt
von Rüya, einem Mädchen, dass die beiden durch die verschiedenen
Zeitalter Troias von der ersten Siedlung bis in die römische Kaiserzeit
führt. Der Sachteil vertieft anhand von Rekonstruktionszeichnungen,
Fotos, einer Zeittafel und anderen Daten die Informationen zu Troia und
der Ausgrabungsgeschichte in der Türkei. Der Autor des Buches war Student
und enger Mitarbeiter von Manfred Korfmann, dem Ausgrabungsleiter seit
1988. Der Illustrator fertigte seine Zeichnungen nach mehrfachen Besuchen
der archäologischen Stätte an. Auch die fantasievollen Alltagsszenen
orientieren sich an Fundstücken und historischen Fakten. Somit liegt für
den interessierten Leser durch fundiertes Quellenmaterial und eine
spannende Geschichte ein sehr empfehlenswertes Buch zum Thema vor. Auch
für Schulbibliotheken. (Michael Günther)
Braunschweiger
Zeitung, 20.01.2001
Ein Jugendbuch als unterhaltsame
Vorbereitung auf die große Ausstellung - Rüya und der Traum von Troia
David und Marian, die beiden 13 und 16
Jahre alten Söhne von wissenschaftlichen Mitarbeitern der
Troia-Ausgrabung, werden auf eine sehr mysteriöse Weise von einem
Mädchen aus der Bronzezeit in die Vergangenheit entführt. Rüya, so der
Name des Mädchens, verhilft den beiden zu einer abenteuerlichen
Entdeckungsreise. Gemeinsam erleben die drei Jugendlichen den troianischen
Krieg und ein zerstörerisches Erdbeben.
Rüya ist zugleich das türkische Wort für Traum. Und ein Traum ist es
wohl für alle Beteiligten, den sie da erleben. Was würden Historiker
darum geben, wenn sie einmal durch das sagenumwobene Troja wandeln
dürften, um sich mit den damaligen Bewohnern zu unterhalten.
So genau wie möglich haben sich die beiden Verfasser an die
Forschungsergebnisse gehalten, was ihnen nicht schwer gefallen sein
dürfte, da sie an den laufenden wissenschaftlichen Untersuchungen
beteiligt waren. Jedes Jahr arbeiten seit 1988 immerhin 70 Wissenschaftler
auf dem Gelände der untergegangenen Stadt. Dieses umfangreiche Fachwissen
der Autoren mag der Grund dafür sein, dass das Buch bisweilen ein wenig
belehrend wirkt. Ein Mangel, der allerdings durch die anderen Vorzüge des
Buches ausgeglichen wird. Die Bilder, die sehr exakten Illustrationen von
Christoph Hauser lassen die untergegangene Stadt lebendig werden. Die
Geschichte der drei Jugendlichen nimmt nicht nur den jungen Leser
gefangen. Das Buch stellt für Jugendliche eine ideale Vorbereitung auf
die große Troia-Ausstellung in diesem Jahr in Braunschweig dar. Wer
diesen Jugendroman gelesen hat, wird viele der Ausgrabungsgegenstände mit
anderen Augen sehen, zumal die spannende Handlung nur einen Teil des
Buches darstellt. Im Anhang finden sich viele Fotos von den Ausgrabungen,
eine Beschreibung der gegenwärtigen wissenschaftlichen Arbeit, Karten,
Zeittafeln und Daten zu den Ausgräbern der Stadt von Heinrich Schliemann
bis Charles Brian Rose. hm
Schwäbisches Tagblatt, Tübingen, 23.12.2000:
Rüya - der türkische Traum
Matthias Raidt schrieb einen bildenden
und bebilderten Roman über Troia
TÜBINGEN (web). „Troia - Traum
und Wirklichkeit" heißt die Ausstellung, die ab dem 17. März 2001
in Stuttgart zum Teil noch nie gezeigte Funde aus der Ruinenstadt an den
Dardanellen präsentiert. „Rüya und der Traum von Troia" lautet
sehr verwandt der Titel eines Buches, der jetzt im Roseni Verlag Hamm
erschienen ist. Wie an der Ausstellung wirkte an diesem großformatigen
Buch ein Tübinger mit. Als Autor zeichnet der freie Hörfunkjournalist
Matthias Raidt, ein diplomierter Theologe und Magister der Ur- und
Frühgeschichte. Man merkt schon: ein Schüler von Prof. Manfred Korfmann,
dem Leiter des interantionalen Ausgrabungsteams von Troia.
Der Mann ist also vom Fach,
und er kennt die Ausgrabungsstätte Troia und die Landschaft drumherum
bestens aus eigener Anschauung. An vier Kampagnen war der Tübinger
beteiligt, von 1991 bis 1993 und dann noch einmal 1996. Da sei zum ersten
Mal ein bisschen Abenteuer in sein Leben hineingekommen, erzählt der
41-jährige Autor. Er lebte unter relativ primitiven Bedingungen im
Ausgräberdorf Bademliköy (Mandeldorf), in Blockhütten und in Zelten,
tastete sich in die türkische Kultur hinein bei den Ausflügen in die
Umgebung und in den Gesprächen mit den Einheimischen. Bei diesen
Erfahrungen sei ihm, verrät Raidt, „erst mal die Luft
weggeblieben".
Diese Fülle der Eindrücke -
da kam schon der Wunsch auf, sie prosaisch zu verarbeiten. Und da war auch
noch der akademische Zeichner Christoph Haußner aus München. Von ihm
stammen die graphischen Rekonstruktionen der verschiedenen Troia-Phasen.
Bilder, die Archäologie so greifbar und begreiflich machen. Namhafte
Zeitungen und Zeitschriften illustrierten damit ihre Troia-Reportagen.
Haußner stand der Sinn nach mehr: Er wollte nicht nur wissenschaftliche
Bilder zeichnen, sondern auch, orientiert am archäologischen Kontext, das
Leben der Menschen vor 4000 Jahren darstellen. Diese Absicht verband sich
gut mit der Idee eines Jugendromans.
Der aus Kiebingen stammende
Raidt schickt zwei junge Archäologen-Söhne, die sich auf der Ausgrabung
langweilen, auf eine Zeitreise in die Vergangenheit, wo sie ein Mädchen
namens Rüya (Rüya ist das türkische Wort für Traum) durch den Alltag
des alten Troias führt. Raidt bringt in die Dialoge sein Fachwissen ein,
der pädagogische Impetus ist unverkennbar. Das Mädchen macht die Jungen
- und der Autor damit die Leser - mit ihrer Heimat vertraut, erklärt
ihnen, warum die Stadt so reich und mächtig geworden ist an diesem
strategischen Standort am Eingang der Dardanellen. Und es kommt Spannung
auf. Unversehens finden sich die Buben wieder in jenem Troianischen Krieg,
wie ihn Homer in der Ilias beschrieben hat. Sie werden Zeugen, wie
Achilleus den Hektor erschlägt und Troia durch ein Erdbeben zerstört
wird. Der Traum wird zum Alptraum. Maler Haußner hat auch eine neckische
Seite. Manchen Gestalten der Erzählung gab er das Gesicht lebender
Personen. Der Goldschmied, der das große Diadem aus dem „Schatz des
Priamos" dem Betrachter präsentiert, hat unverkennbar den Kopf des
amerikanischen Grabungsteilnehmers Charles Brian Rose. Henrieke
Kiesewetter und Ralph Becks arbeiten an einem Kindergrab. Über die Agora
des römischen Ilions lässt er Raidt mit Schriftrolle und sich selbst mit
Pinsel wandeln. Und wer weiß, bei näherem Hinsehen lassen sich noch mehr
Teilnehmer des Troia-Projekts auf den Zeichnungen identifizieren.
© Schwäbisches Tagblatt
Reutlinger Generalanzeiger 31.10.2000
- Von unserem
Redaktionsmitglied Ingeborg Kunze -
Tübingen. (zz) Das unendliche Thema Troia füllt Säle, Bücher und
2001 eine große Ausstellung, die nach dem Start in Stuttgart (März bis
Juni) nach Bonn und Braunschweig wandert. Die Stuttgarter Vortragsreihe
(bis April) ist ausverkauft. Jetzt hat der Troia-Projektleiter Manfred
Korfmann in Tübingen neue Bücher aus Tübinger Produktion und ein
Troia-Spiel vorgestellt.
[...] Zwei seiner Mitarbeiter haben neue Bücher
über Troia geschrieben: der Archäologe Rüstem Aslan, der derzeit in
Tübingen seine Dissertation über die Troas schreibt, ein Kinderbuch, das
im nächsten Jahr erscheinen wird, und der Tübinger Theologe,
Archäologe, und Autor Matthias Raidt zusammen mit dem Münchener Maler
Christoph Haußner als Illustrator das lebendige, mit illustriertem
Geschichts-Anhang, Zeittafeln und Wörterbuch informativ ergänzte
Jugendbuch "Rüya und der Traum von Troia". Vor wenigen Tagen
hatte es auf der Frankfurter Buchmesse Premiere. [...]
© Reutlinger General-Anzeiger
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