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Jörg Füllgrabe

Die Christianisierung der westgermanischen Stämme und Stammessprachen

Zur Frage sprachlicher und kultureller Kontinuität 
und Diskontinuität von der vorchristlichen 
Zeit bis zum Mittelalter

Format DIN A4, broschiert, 424 Seiten
gebundener Ladenpreis EURO 35,00

ISBN 3-9807434-8-9

Zusammenfassung / Abstract
Die Christianisierung der westgermanischen Stämme und Stammessprachen


In den gängigen Darstellungen sprach- und wortgeschichtlicher, aber auch kirchenhistorischer bzw. allgemein geschichtlicher Art werden die entsprechenden sprachlichen bzw. historischen Veränderungen, die mit der Christianisierung der westgermanischen Stämme einhergingen, nach Ansicht des Autors zeitlich deutlich zu spät angesetzt, ohne dass die in den verschiedenen Quellen auftauchenden Indizien genügend Berücksichtigung finden.
Gerade der Umstand, dass auch zentrale Wörter der neuen christlich-kirchlichen Sphäre aus ursprünglich heidnisch-germanischem Kontext stammen, ist ebenso als ein Hinweis auf frühes Christentum im westgermanischen Bereich zu sehen, wie als Indiz für die hohe Wahrscheinlichkeit einer dem östlich-gotischen Beispiel analogen Entwicklung.
Überdies liegt mit Irenäus von Lyon eine Kronzeuge vor, der bereits im ausgehenden zweiten Jahrhundert zumindest Christentum im 'germanischen' Raum belegt. Wir müssen also bereits früh auch mit germanischen Christen rechnen, was durch die mangelhafte historische und archäologische Quellenlage allerdings kaum direkt zu belegen ist, so dass gerade die entsprechenden Elemente des Wortschatzes bzw. seiner Veränderungen als beweiskräftige Belege herangezogen werden müssen.
Ein Ergebnis dieser Untersuchung ist, dass die/eine Christianisierung des (west)germanischen Bereichs deutlich früher stattfand, als in der Forschung allgemein angenommen bzw. dargestellt.

Mit diesem Desiderat befasst sich die interdisziplinär ansetzende Publikation von J. Füllgrabe zum Thema Die Christianisierung der westermanischen Stämme und Stammessprachen.
Da direkte Nachweise für frühen germanisch-sprachigen christlichen Wortschatz nicht zu erbringen waren, mussten insbesondere (kirchen)historische Erkenntnisse eingebracht werden. Allein die lange Nachbarschaft zum Imperium Romanum und die daraus resultierenden Beeinflussungen kultureller Art lassen Verbindungen erkennbar werden, die aus vorchristlicher Zeit bis in die Epoche, in der das Christentum Staatsreligion geworden war, reichen. Entsprechende sprachliche Auswirkungen natürlich insbesondere im Hinblick auf einen christlich-kirchlichen Wortschatz werden wahrscheinlich gemacht. Zeugnisse für frühes germanisches Christentum in den Schriften der Kirchenväter werden als weitere Querbelege für eine frühe Entlehnung bzw. Ausprägung eigenständiger westgermanischer kirchlicher Wörter angeführt.

Da punktuell zu datierende Belege für das Aufkommen volkssprachlich-christlicher Wörter fehlen, war es notwendig, in intensivem Maße historische Vorgänge zu beleuchten, um mit ihrer Hilfe die - vor allem auch zeitliche - Einordnung des entsprechenden Wortschatzes vornehmen zu können. Hierbei konnte erwiesen werden, dass trotz des vorhandenen Kulturgefälles eine Resistenz der Germanen insbesondere im Kontext der Religiosität festgestellt werden kann, die sich auch im Wortschatz niederschlug - und für eine gewisse religiös-kulturelle Sonderentwicklung spricht.

Ein frühes Zeichen dieses Beharrens, das sich vornehmlich durch den Wortschatz nachweisen lässt, sind die volkssprachlichen Wochentagsnamen, die zwar heidnisches Gepräge tragen, aber eben nicht die unhinterfragte Übernahme lateinischer Bezeichnungen, sondern eine Um-, also Übersetzung in den germanischen Kontext beweisen. Diese Belege für entsprechende Prozesse konnten auch im Zusammenhang mit der Ausprägung christlich-westgermanischen Wortschatzes erwiesen werden. Gestützt durch kirchenhistorische Quellen, wie etwa die Aussagen des Irenäus von Lyon, des Tertullian, des Arnobius von Sicca oder etwa auch des Sozomenos, die frühes Christentum auch in der römisch-westgermanischen Kontaktzone belegen sowie durch die Berücksichtigung der allgemeinhistorischen Entwicklungen war es möglich eine gegenüber der allgemeinen Forschungstendenz erkennbar frühere Datierung dieser wortgeschichtlichen Vorgänge wahrscheinlich zu machen.